Reisetagebuch Chile: Entschleunigung

von | Okt. 21, 2026 | Memories

Solange ich denken kann, war ich immer in Eile. Als würden mich ständig Aufgaben verfolgen. Abitur, ein halbes Jahr Work and Travel, Medizinstudium, ein paar Operationen hinter mich gebracht, zurück ans Lernen, Studium abgeschlossen. Natürlich gab es dazwischen Urlaube. Ich habe dafür gesorgt, dass mein Leben voller Spaß und Abenteuer war, und mir auch Entspannung gegönnt, aber richtige Ruhe war es nie. Denn es gab immer etwas. Das nächste Semester, die nächste Prüfung, das nächste Ziel. Die Deadlines schienen nie aufzuhören.

Jetzt, wo ich wieder in Concepción bin, fühlt sich alles langsamer an. Ich habe immer noch meine To-do-Liste. Ich habe immer noch Deadlines, manche setze ich mir selbst, andere sind vorgegeben. Aber da ist auch diese Ruhe. Ich habe meinen Abschluss, und ich weiß, dass ich nächstes Jahr anfange zu arbeiten, auch wenn das genaue Wann und Wo noch nicht ganz klar ist. Ich arbeite an den meisten Tagen an meinen Projekten, aber die Welt geht nicht unter, wenn ich mal einen Tag auslasse.

Ich stehe auf und mache Pancakes. Ich hatte vergessen, wie gerne ich Pancakes mache. Ich habe keine Eile, rauszugehen und mit irgendwas anzufangen. Ich lasse mir Zeit, ich atme, ich genieße. Ich muss mich nicht ablenken, weil ich ganz im Moment bin.

Plötzlich bin ich zufrieden, wenn ich Wäsche wasche. Eine banale Aufgabe, aber gerade das Einfache entspannt mich, weil ich sie nicht schnell neben all den anderen Aufgaben erledigen muss. Zwischendurch kreiere ich etwas, beantworte E-Mails oder spreche mit meinen Freunden. Mir ist aufgefallen, dass ich vieles, was ich an meinen vollen Tagen zu Hause gehasst habe, an meinen ruhigen Tagen hier genieße.

Natürlich hilft es, dass ich mir meinen Tag selbst einteilen kann. Ich trainiere, wenn ich Lust habe, abends habe ich Tanzkurse, und alles dazwischen passiert einfach. Manchmal gehe ich in den Coworking Space, um Calls zu machen, manchmal schreibe ich in einem Café. Manchmal spreche ich beim Spazierengehen alle meine Ideen ein und lasse sie später transkribieren.

Und bevor du denkst „Die hat gut reden, sie ist ja im Urlaub“: Bin ich nicht. Es gibt keinen 9-to-5-Job, aber ich baue ein Business auf und arbeite an meinen Projekten. Ich bereite mich auf die Spanischprüfung vor, meine Doktorarbeit läuft noch, und ich muss herausfinden, wie ich nach Spanien ziehe und mich auf Jobs in einem Land bewerbe, dessen Arbeitsmarkt ich überhaupt nicht kenne. Zwischendurch mache ich Übersetzungsjobs, aber ich habe kein festes Einkommen. Ich habe also genug um die Ohren.

Der Unterschied ist, dass ich zum ersten Mal aufgehört habe, durch alles durchzuhetzen. Kein Hetzen von A nach B, kein Dauerstress wegen allem, was ich noch erledigen muss. Auch wenn die Liste lang ist, sie ist später auch noch da. Und genau diese Ruhe gibt mir mehr Energie, die Aufgaben dann auch wirklich zu erledigen.

Mir ist klar geworden, dass ein großer Teil des ständigen Drucks, alles fertig zu bekommen, von uns selbst kommt. Wir hetzen durch die alltäglichen Dinge, weil sie sich wie Zeitverschwendung anfühlen und wir zum schönen Teil kommen wollen. Und dann denken wir, wir machen Pause, wenn wir vor dem Fernseher essen. Dabei können genau diese kleinen Aufgaben entspannend sein, wenn wir sie in Ruhe machen und den Moment genießen.

Ein Teil davon ist Vertrauen ins Universum. Darauf zu vertrauen, dass es klappt. Ich visualisiere, ich manifestiere, ich konzentriere mich auf meine Ziele, aber ich mache mir keine Sorgen darüber, ob ich sie erreiche. Gerade arbeite ich viel an meinem Bewusstsein und daran, meine Frequenz zu erhöhen. Ich lebe, was ich in meinem Buch zeige, und vertiefe es noch weiter.

Am Ende gibt mir die Entschleunigung mehr Energie, als mir die Eile je gegeben hat.

Probier das

Such dir eine Aufgabe aus, durch die du normalerweise hetzt, zum Beispiel Frühstück machen, Geschirr spülen oder Wäsche waschen. Mach sie beim nächsten Mal ganz langsam. Leg dein Handy weg und achte auf die Gerüche, die Geräusche und das Gefühl in deinen Händen. Frag dich danach: Wie hat sich das angefühlt?

As far as I can remember, I have always been in a rush. Like I was being chased by constant tasks. Finished high school, took half a year for work and travel, started med school, got some surgeries out of the way, back to studying, finished med school. Of course I had vacations in between. I made sure my life was full of fun and adventures and added some relaxation, but it was never complete tranquility. Because there was always something. The next semester, the next exam to prepare for, the next thing to achieve. The deadlines seemed never ending.

Now that I’m back in Concepción, everything feels like it slowed down. I still have my to do list. I still have deadlines, some I set for myself and some that are predetermined. But there’s also this peace. I got my degree, and I know I’ll start work next year, even though the exact when and where isn’t quite clear yet. I work on my projects most days, but the world doesn’t end if I skip a day.

I get up and make pancakes. I forgot how much I enjoy making pancakes. I’m not in a rush to get out and start doing something. I take my time, I breathe, I enjoy. I don’t need to distract myself, because I’m completely in the moment.

Suddenly I feel content doing laundry. It’s a menial task, but the simplicity relaxes me, because I’m not rushing to get it done alongside all the other tasks. In between I create something, respond to emails or talk to my friends. I realized that a lot of the things I hated doing during my busy days at home, I enjoy during my quiet days here.

Of course it helps that I can set my own schedule. I work out when I feel like it, I have dance classes in the evening, and everything in between just happens. Sometimes I go to the coworking space to take calls, sometimes I write in a café. Sometimes I record all my ideas while taking a walk and run them through transcription later.

And before you think “easy for her to say, she’s on vacation”: I’m not. There’s no 9 to 5, but I’m building a business and working on my projects. I’m preparing for the Spanish exam, my thesis is still ongoing, and I have to figure out how to move to Spain and apply for jobs in a country whose job market I know nothing about. In between I do translation jobs, but I have no fixed income. So there’s plenty on my plate.

The difference is that this is the first time I stopped rushing through things. No hurrying from A to B, no stressing nonstop about everything I still have to do. Even if the list is long, it will still be there later. And that calm gives me more energy to actually do the tasks.

I realized that a lot of the constant pressure to finish our tasks comes from ourselves. We rush through the everyday stuff because it feels like a waste of time and we want to get to the fun part. And then we think we’re taking a break by eating in front of the TV. Yet those little tasks can be relaxing when we do them calmly and let ourselves enjoy the moment.

Part of it is trusting the universe. Trusting that it’ll work out. I visualize, I manifest, I focus on my goals, but I don’t worry about reaching them. Right now I’m doing a lot of consciousness work and working on raising my frequency. Living what I teach in my book, and taking it even further.

Turns out, slowing down gives me more energy than rushing ever did.

Try this

Pick one task you usually rush through, like making breakfast, washing the dishes or doing laundry. Next time, do it slowly. Put your phone away and notice the smells, the sounds, the feeling in your hands. Afterwards, ask yourself: How did that feel?