Reisetagebuch Chile – Wenn die Planerin plötzlich ohne Plan dasteht

von | Sep. 25, 2026 | Memories

Ich hatte mein Medizinstudium abgeschlossen, war durch Europa gereist, und alle sagten mir, es sei jetzt Zeit, endlich zu arbeiten. Das Leben ernster zu nehmen. Mir ein Sicherheitsnetz aufzubauen, Verantwortung zu übernehmen und so weiter. Die Sache ist: Ich habe immer versucht, die Vernünftige zu sein. Ich hatte immer einen Plan, wusste genau, was die nächsten Schritte sind, und hätte mich niemals bei etwas Leichtsinnigem erwischen lassen. Zum Beispiel für ein paar Monate nach Chile zu ziehen, während ich versuche, meine Approbation in Spanien anerkennen zu lassen, um im kommenden Jahr dorthin zu ziehen und dort zu arbeiten. Ohne überhaupt zu wissen, was es bedeutet, in ein anderes Land zu ziehen – denn ich habe das buchstäblich innerhalb eines Tages entschieden, den Prozess angestoßen und keinerlei Recherche betrieben. Und schon gar nicht hätte ich so etwas getan, ohne zu wissen, wie ich das alles finanzieren soll. Denn, du weißt schon, ich bin ja die Vernünftige. Dachten zumindest alle.

Die Sache ist: Ich weiß, dass sich alles irgendwie fügen wird. Das hält mich zwar nicht davon ab, ab und zu eine existenzielle Krise zu haben, aber genau darauf baue ich letztlich mein Leben auf. Nicht auf Leichtsinn. Sondern auf dem Wissen, dass wir zu 100 % selbst verantwortlich und in der Lage sind, uns das Leben zu erschaffen, das wir wollen. Ich habe gesehen, wie andere es geschafft haben. Ich habe es selbst geschafft. Ich habe sogar ein Buch darüber geschrieben. Aber etwas zu erschaffen ist nichts, was man einmal macht und dann nie wieder. Es ist ein Prozess, und der hat mehr Höhen und Tiefen als die größte Achterbahn der Welt.

Wie auch immer. Gerade bin ich zurück in einer meiner Lieblingsstädte. Einfach ein deutsches Mädchen, das in Chile lebt und herauszufinden versucht, was es mit seinem Medizinstudium anfangen soll, wie es sein eigenes Business aufbaut und wie es nahbarer wirken kann – denn anscheinend hat es ein Resting Bitch Face, das den Einheimischen Angst macht.

I finished med school, I did a Europe trip and everyone told me it was time to start working. Take life more seriously. Establish a safety net, be responsible etc. The thing is, I’ve always tried to be the responsible one. I’ve always had a plan, all the next steps figured out and would definitely not be caught dead doing something reckless. Like moving to Chile for a couple of months while trying to get my license recognized in Spain, to move and work there the coming year. Without actually knowing what it entails to move countries since I literally decided it within a day, got the process started and did not do any research. Also I’d definitely not do that without knowing how to finance everything. Because, you know, I’m the responsible one. Or so everyone thought.

The thing is. I know it will all work out somehow. It doesn’t necessarily stop me from having an existential crisis now and again but after all this is what I am building my life on. Not the recklessness. But the knowledge that we are 100% responsible and capable of creating the life we want. I’ve seen other people do it. I have done it myself. I even wrote a book about it. But creating something is nothing you do once and never again. It’s a process and it has more up and downs than the world’s biggest roller coaster.

Anyways. Right now I’m back in one of my favorite cities. Just a German girl living in Chile, trying to figure out what to do with her medical degree, how to build her own business and how to look more approachable because apparently she has a resting bitch face that scares the locals.