Meine Flügel finden

von | Dez. 29, 2025 | Memories | 0 Kommentare

Ich habe früh gelernt, dass Körper zu Zielscheiben werden können. Die Schulzeit hat mir beigebracht, dass meiner falsch war – zu viel, zu wenig, irgendwie immer das Problem. Die Kommentare hörten nicht auf, wenn die Schulglocke klingelte; sie folgten mir nach Hause, in den Spiegel, in jede Entscheidung, die ich rund ums Essen traf. Ich aß, um nichts zu fühlen. Dann hungerte ich, um Kontrolle zu haben. Dann schwankte ich zwischen beidem, bis Essen zu Mathematik, Schuld und Lärm wurde. Das Gewicht kam und ging. Die Scham blieb.

Ich versuchte, mich zu reparieren – so, wie man es uns beibringt: Diäten mit Regeln, Training als Bestrafung, Disziplin aus Selbstverachtung. Ich bewegte meinen Körper ständig – Sport, Pläne, Programme – aber nichts davon fühlte sich nach Fürsorge an. Technisch gesehen machte ich alles richtig, aber aus den falschen Gründen, und ich hasste immer noch, was ich sah. Fotos waren das Schlimmste. Ich perfektionierte die Kunst des Verschwindens – hinter Freunden, hinter Winkeln, hinter Witzen. Der Beweis, dass ich in einem Körper existierte, fühlte sich falsch an.

Und dann betrat ich ein Pole-Dance-Studio. Dort in Sport-BH und Shorts zu stehen, fühlte sich an, als wäre ich nackt unter grellem Neonlicht. Jede Unsicherheit schrie. Jede alte Stimme war wieder da. Aber ich blieb. Am Anfang ging es beim Pole nicht um Selbstbewusstsein oder Empowerment. Es war einfach … interessant. Etwas, das ich schon immer hatte machen wollen, aber nie glaubte, zu können. Herausfordernd. Spielerisch auf eine Art, wie Sport es für mich nie gewesen war. Ich zählte keine Kalorien und jagte keinem „Burn“ hinterher. Ich versuchte zu klettern, zu drehen, zu lachen, zu scheitern, es noch einmal zu versuchen.

Etwas veränderte sich. Ich hörte auf zu fragen, wie mein Körper aussieht, und begann zu fragen, was er kann. Pole wurde der Ort, an dem mein Körper kein Problem mehr war, das es zu lösen galt – sondern ein Partner. Eine Quelle von Stärke. Von Ausdruck. Von Freude. Ohne es zu merken, wurde ich stärker. Ohne Zwang wurde ich fitter. Ohne Regeln wurde meine Beziehung zum Essen weicher. Die Spirale, die mich früher nach unten gezogen hatte, kehrte sich langsam um – nicht durch Disziplin, sondern durch Freude.

Dann kam ein Fotoshooting – das, was ich jahrelang vermieden hatte. Ich erwartete, es zu hassen. Jedes Bild löschen zu wollen. Stattdessen verliebte ich mich. Denn zum ersten Mal sah ich keine Makel – ich sah Kraft. Kunst. Präsenz. Eine Frau, die ihren Raum einnimmt, statt sich dafür zu entschuldigen. In diesem Moment wurde mir klar: Das ging nicht um Pole. Es ging um Erlaubnis. Die Erlaubnis, Raum einzunehmen. Die Erlaubnis, gesehen zu werden. Die Erlaubnis, meinen Körper so zu genießen, wie er ist – nicht als zukünftiges Projekt.

Heute stehe ich gern vor der Kamera. Nicht, weil ich mich „repariert“ habe – sondern weil ich aufgehört habe zu glauben, dass ich kaputt bin.

Finding My Wings

I learned early that bodies can be targets. High school taught me that mine was wrong – too much, not enough, somehow always the problem. The comments didn’t stop when the bell rang; they followed me home, into the mirror, into every choice I made around food. I ate to numb. Then I starved to control. Then I swung between the two until food became math, guilt, and noise. The weight came and went. The shame stayed.

I tried to fix myself the way we’re told to: diets with rules, workouts as punishment, discipline fueled by self-disgust. I moved my body constantly – sports, plans, programs – but none of it felt like care. Technically, I was doing everything right, but for the wrong reasons, and I still hated what I saw. Photos were the worst. I mastered the art of disappearing–behind friends, behind angles, behind jokes. Proof that I existed in a body felt wrong.

And then I walked into a pole dance studio. Standing there in a sports bra and shorts felt like being naked under fluorescent lights. Every insecurity screamed. Every old voice came back. But I stayed. At first, pole wasn’t about confidence or empowerment. It was just… interesting. Something I had always wanted to do but never felt like I could. Challenging. Playful in a way exercise had never been. I wasn’t counting calories or chasing “burn.” I was trying to climb, spin, laugh, fail, try again.

Something shifted. I stopped asking what my body looked like and started asking what it could do. Pole became the place where my body wasn’t a problem to solve–it was a partner. A source of strength. Of expression. Of joy. Without noticing, I got stronger. Without forcing, I got fitter. Without rules, my relationship with food softened. The spiral that once pulled me down slowly reversed – not through discipline, but through delight.

Then came a photoshoot – the thing I had avoided for years. I expected to hate it. To want to delete every image. Instead, I fell in love. Because for the first time, I didn’t see flaws – I saw power. Art. Presence. A woman owning her space instead of apologizing for it. That was the moment I realized: this wasn’t about pole. This was about permission. Permission to take up space. Permission to be seen. Permission to enjoy my body as it is, not as a future project.

Today, I love being in front of the camera. Not because I “fixed” myself–but because I stopped believing I was broken.